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Breitbandausbau? Glasfaser only!

Allgemein, Forschung

Laut einer neuen Studie des Fraunhofer ISI gehen die Bemühungen in Baden-Württemberg in die richtige Richtung, um beim Ausbau eines landesweiten Gigabitnetzes schneller voranzukommen. Das liegt auch am besonderen Betreibermodell des Landes, bei dem die Kommunen ausbauen und den Betrieb des Netzes dann verpachten. Um die Innovationseffekte einer landesweiten Gigabit-Infrastruktur zu realisieren, bedarf es allerdings einer konzertierten Aktion und einer Verpflichtung aller Akteure auf “Glasfaser only”.

Für Baden-Württemberg und seine vielen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ist der Breitbandausbau von enormer Bedeutung. Denn für die Digitalisierung von Industrie und Wirtschaft ist eine leistungsfähige digitale Infrastruktur nach Gigabit-Maßstab eine wichtige Grundvoraussetzung. Doch genau daran hapert es derzeit: Zwar ist die Versorgung mit mittleren (bis 16 Mbit/s) und höheren Bandbreiten (30-100 Mbit/s) im Land relativ gut, zukunftsfähige Gigabit-Glasfasernetze sind bislang aber Fehlanzeige. Für hochkomplexe digitalisierte Prozesse in Industrie und Wirtschaft werden sie aber benötigt – eine zu niedrige Bandbreite könnte sich in Zukunft negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auswirken. Zudem sind Glasfasernetze die Voraussetzung für den künftigen Aufbau von 5G-Mobilfunknetzen.

Die Studie “Ein Gigabitnetz für Baden-Württemberg – Aktueller Stand und Perspektiven des Glasfaserausbaus” wurde mit Unterstützung der Baden-Württemberg Stiftung erstellt und soll dazu beitragen, Lösungsoptionen für einen zügigen Breitbandausbau auf Glasfaserbasis aufzuzeigen. Dazu wurden 30 Glasfaser-Ausbauprojekte im Land näher betrachtet und sechs davon als Fallstudien genauer analysiert. Ein zentrales Ergebnis der Studie lautet, dass langfristig kein Weg an Glasfaserleitungen vorbeiführt und auch derzeitige Zwischenlösungen wie das VDSL-Vectoring relativ schnell an ihr Limit kommen. Aktuell verfügen lediglich 1,9 Prozent der Haushalte in Baden-Württemberg über einen direkten Glasfaseranschluss.

Um schnellere Internetverbindungen auf Glasfaserbasis zu erreichen, spricht Dr. Bernd Beckert, Studienleiter am Fraunhofer ISI, drei klare Empfehlungen aus: “Erstens sollten privatwirtschaftliche und kommunale Ausbauprojekte besser koordiniert werden. Zweitens sollte die Landesförderung konsequent und mit Fokus auf die Glasfaser-Technologie weitergeführt werden. Und drittens sollte es in Kommunen, Kreisen und auf Länderebene mehr Breitband-Expertise geben, die direkt in mögliche Ausbauprojekte einfließt.” Beckert unterstreicht, dass sich der Glasfaserausbau insbesondere aus innovationspolitischer Sicht lohnt: Regionen mit flächendeckendem Gigabit-Internet sind innovativer und verzeichnen ein hohes Wirtschaftswachstum, weil sich parallel neue Technologien, Anwendungen und digitale Geschäftsmodelle entwickeln können.

Damit der Ausbau voranschreitet, sollte die Landesförderung mit speziellem Fokus auf die Glasfaser-Technologie konsequent weitergeführt werden. Ein klares politisches Bekenntnis zur Glasfaser sowie die Auseinandersetzung mit der Breitbandthematik in Kreisen, Städten und Gemeinden hat hier Signalwirkung. Das Betreibermodell, auf das Baden-Württemberg im Unterschied zu anderen Bundesländern von Anfang an konsequent gesetzt hat und bei dem die Kommunen ausbauen und den Betrieb des Netzes dann verpachten, hat sich dabei als Erfolgsmodell erwiesen. Da sich die Effekte erst längerfristig einstellen, sollte die Landesförderung in Gebieten mit äußerst schlechter Internetversorgung auch Projekte nach dem »Wirtschaftlichkeitslückenmodell« ermöglichen. Dabei werden kommerzielle Netzbetreiber – meist die Deutsche Telekom – subventioniert, um in Gebieten auszubauen, die wirtschaftlich nicht attraktiv sind. Ein Umstieg auf durchgängige Glasfaserleitungen sollte hier von vornherein mitgeplant werden.

Schließlich sollte auch die Expertise in Kreisen, Kommunen und auf Bundesländer-Ebene für den Glasfaserausbau gestärkt werden. Denn es fehlt nach wie vor an Experten für den Gigabit-Ausbau in kommunaler Regie. Helfen könnte hier ein Ausbau der Clearingstelle des Landes oder die Verstärkung bestehender Ausbildungs- und Studienangebote.

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