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Bürgerportal Cochem-Zell

Allgemein, Innenpolitik, Strukturpolitik

Der Landkreis Cochem-Zell hat früh die Chancen der Digitalisierung erkannt und betreibt nun erfolgreich ein Bürgerportal. Bürger und Unternehmen können zahlreiche Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung über das Internet nutzen. Der Service wird schrittweise ausgebaut, ohne dass Angebote für weniger digital affine Nutzer oder der persönliche Kontakt auf der Strecke bleiben.

V.l.n.r: Landrat Manfred Schnur, Heike Raab (Bevollmächtigte des Landes beim Bund und für Europa, für Medien und Digitales) sowie die Bürgermeister der Verbandsgemeinden Albert Jung (VG Kaisersesch), Helmut Probst (VG Cochem), Karl Heinz Simon (VG Zell) und Albert Steimers (VG Ulmen), Foto: Landratsamt Cochem-Zell

Die Digitalisierung macht auch vor den Kommunen keinen Halt. Längst stellt sich nicht mehr die Frage, ob sich die Kommunen der Digitalisierung stellen, sondern inwieweit sie davon profitieren können. Gleichzeitig steigen Anforderungen und Erwartungen. Um diesen Bedarf zu decken und die Kommunen zukunftsfähig auszustatten, sind erhebliche Investitionen und Innovationen erforderlich. Der Landkreis Cochem-Zell hat sich mit seinen Verbandsgemeinden sowie den Städten und Ortsgemeinden bereits 2010 auf den digitalen Weg gemacht. Der gesamte Landkreis wurde in einem Public-Private-Partnership-Modell ohne öffentliche Zuwendungen an die schnelle Datenautobahn angeschlossen. Damit wurde die wichtige Voraussetzung geschaffen, von der Digitalisierung zu profitieren.

Pilotprojekt Modellkommune E-Government

Der Landkreis Cochem-Zell hat sich gemeinsam mit der Verbandsgemeinde Kaisersesch als Partner für das Pilotprojekt „Modellkommune E-Government“ beworben. Im Dezember 2013 wählte eine Jury aus Vertretern des Bundesinnenministeriums, der kommunalen Spitzenverbände sowie unabhängigen Experten die beiden Kommunen gemeinsam aus. Zielsetzung war es, möglichst viele Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung über das Internet bereitzustellen und so die Servicequalität für Bürger und Unternehmen nachhaltig zu steigern.

Keine drei Jahre später konnte sich das Ergebnis sehen lassen. Im Rahmen des Projektes wurde gemeinsam das Bürgerportal Cochem-Zell entwickelt, das im November vergangenen Jahres freigeschaltet wurde.  Darüber hinaus wurden Wege aufgezeigt, wie sich die Effizienz der kommunalen Verwaltungen durch konsequente Digitalisierung optimieren lässt. Zwischenzeitlich ist aus dem projekt sogar ein gemeinschaftliches Vorhaben aller kreisangehörigen Verbandsgemeinden sowie des Landkreises geworden.

Service rund um die Uhr

Die öffentlichen Verwaltungen des Kreises Cochem-Zell und der vier Verbandsgemeinden Kaisersesch, Cochem, Zell und Ulmen haben für Bürger und Unternehmen nun rund um die Uhr geöffnet: Mit dem Bürgerportal Cochem-Zell können sie ausgewählte Verwaltungsdienstleistungen online nutzen. Die einprägsame Internetadresse des Bürgerportals lautet: www.cochem-zell-online.de. Ob es um die An- oder Abmeldung eines Hundes, einen Antrag zur öffentlichen Plakatierung, die Anzeige eines Eigentümerwechsels oder um die Anmeldung zur Abholung von Sperrmüll geht – all diese und viele weitere Services der öffentlichen Verwaltung lassen sich über das Bürgerportal erledigen. Das Besondere dabei ist, dass die Nutzer nicht mehr wissen müssen, ob für die Bearbeitung ihres Antrags die Kreisverwaltung oder die Verwaltung der jeweiligen Verbandsgemeinde zuständig ist. Im Bürgerportal stehen die entsprechenden Dienstleistungen verwaltungsebenenübergreifend zur Verfügung. Dieser Ansatz steigert den Nutzen für alle Anwender. Sie können Anträge einfach und digital stellen, die Verwaltung bearbeitet die Anliegen schnell und unter besonderer Beachtung des Datenschutzes.

Die Vorteile liegen auf der Hand

Dienstleistungen der Kreis- und Verbandsgemeindeverwaltungen stehen orts- und zeitunabhängig zur Verfügung. Die Nutzer sparen nicht nur zeit- und kostenintensive Wege, ihnen entstehen auch keine Wartezeiten. Die Bedienung des Portals ist intuitiv und einfach. Wer regelmäßig Services der Verwaltung digital in Anspruch nimmt, kann sich zudem ein eigenes Servicekonto anlegen. Darüber können digitale Anträge bearbeitet und ein Großteil des Dialogs mit den Verwaltungsstellen organisiert werden. Das Modell dieses verwaltungsübergreifenden Servicekontos hat bundesweiten Beispielcharakter. Der Landkreis Cochem-Zell und die Verbandsgemeinden entwickelten das Technikkonzept in Zusammenarbeit mit der KommWIS GmbH, einem Unternehmen der kommunalen Spitzenverbände in Rheinland-Pfalz. Unterstützt wurde das Projekt von der IT-Zentralstelle des Ministeriums des Innern und für Sport Rheinland-Pfalz.

Das Bürgerportal bietet eine gut sortierte Datenbank der Verwaltungsleistungen. Über verschiedene Suchfunktionen gelangt der Nutzer schnell zu den gewünschten Informationen. Zudem erfährt er, welche Verwaltung und welche Mitarbeiter zuständig ist. Bereits 15 der am häufigsten genutzten Verwaltungsdienstleistungen können online abgewickelt werden. Seit kurzem kann man auch seinen Termin bei der Kfz-Zulassungsstelle online buchen. Das Angebot wird schrittweise ausgebaut. In Kürze sollen Räumlichkeiten wie Bürgersäle oder Schutzhütten angemietet und direkt bezahlt werden können. Auch die Verlängerung des Jagdscheins kann bald mit einigen Mausklicks beantragt werden. Wichtig bei all diesen Prozessen ist, dass möglichst viele Schritte digital abwickelt werden – insbesondere die Zahlungsabwicklung von Verwaltungsgebühren. Das Serviceangebot wird den Anforderungen der Bürger und Unternehmen entsprechend konsequent erweitert. Mit dem Bürgerportal ist ein klares Versprechen der öffentlichen Verwaltungen im Landkreis verbunden, das Dienstleistungsangebot noch bürgerfreundlicher zu gestalten. Die digitale Entwicklung ist für die Verwaltungen kein Selbstzweck, sondern dient immer dazu, Dienstleistungen und verwaltungsinterne Abläufe im Sinne der Bürger und Unternehmen zu optimieren. Damit die Leistungsfähigkeit der Kommunen aufrechterhalten werden kann, müssen die Kommunen ihre Effizienz erhöhen.

Persönlicher Kontakt bleibt erhalten

Bei aller Technisierung und Effizienzsteigerung müssen allerdings auch künftig traditionelle Formen der Verwaltungsleistungsangebote erhalten bleiben. Es wird immer Kunden geben, die den persönlichen Kontakt bevorzugen. Es könnte sich sogar wieder verstärkt das Bedürfnis entwickeln, mit einem persönlichen Ansprechpartner zu kommunizieren.

Die Kreisverwaltung hat sich der einheitlichen Behördennummer „115“ angeschlossen. Darüber ist die Kreisverwaltung an fünf Wochentagen jeweils zehn Stunden erreichbar und bietet die gleichen Leistungen telefonisch an. Denn auch im digitalen Zeitalter bleibt das Telefon ein wichtiger Kanal der Verwaltung. Darüber hinaus wird es immer Prozesse geben, die eine persönliche Vorsprache oder Vorstellung erfordern, beispielsweise im Sozial-, Jugend- oder Gesundheitsamt. Statt eine komplette Digitalisierung anzustreben, verfolgt die Kreisverwaltung Cochem-Zell daher eine Multikanalstrategie gemäß der Maxime: “So viel Digitalisierung und Effizienz wie möglich – so viel persönlicher Kontakt wie nötig”.

Foto: Landratsamt Cochem-Zell

Autor:  Manfred Schnur ist Landrat des Landkreises Cochem-Zell

Der Beitrag ist erschienen in der Oktober-Ausgabe der kommunalpolitischen blätter (KOPO)

 

 

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