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Der Wald als Gesundheitsressource

Allgemein

Wie tragen Wälder zu unserem Wohlbefinden bei? Dieser Frage geht ein Team um den Würzburger Geografen Joachim Rathmann nach.

Es ist heiß, von oben brennt die Sonne, Asphalt und Fassaden kesseln die Wärme förmlich ein. Dazu kommen Menschenmengen, Verkehrslärm und Hektik – ein Sommertag in der Stadt. Im krassen Kontrast dazu steht der Wald: Ruhe, kühler Schatten, statt Autos und Stimmengewirr hört man Vogelgezwitscher und den Wind in den Bäumen.

Aus Japan schwappt schon seit einigen Jahren ein Trend gen Westen, der genau auf diesen Gegensätzen aufbaut: das Waldbaden. Gemeint ist damit das bewusste Erleben der Natur mit den Zielen Erholung und Entschleunigung.

Studien belegen, dass dahinter mehr steckt als rein subjektive Empfindungen. Mit den gesundheitlichen Aspekten von Naturlandschaften befasst sich auch Joachim Rathmann, der seit Mai 2022 an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) über drei Jahre gefördertes Projekt zu dem Thema leitet: Gesundheitsrelevante Effekte verschiedener urbaner Waldstrukturen.

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Feldversuche im Augsburger Stadtwald


Konkreter Gegenstand der Untersuchungen ist der Augsburger Stadtwald. Bayerns größter zusammenhängender Auwald liegt direkt vor den Toren der mit knapp 300.000 Einwohnern drittgrößten Stadt des Freistaats. Neben seinem Status als Natur- und Wasserschutzgebiet ist der Stadtwald für die Augsburger auch ein beliebtes Naherholungsziel.

Rathmann und sein Team interessieren sich dafür, welche Auswirkungen ein Spaziergang im Wald auf den Menschen hat. Um diese Einflüsse objektiv zu erfassen, schickt er Gruppen von Studierenden los. Eine Hälfte verbringt eine gewisse Zeit in der Stadt, eine begibt sich ebenso lange in den Wald. „Dabei messen wir die Ausschüttung des Stresshormons Kortisol, den Blutdruck, die Herzrate und die Hautleitfähigkeit. Anschließend vergleichen wir, ob und wie sich die Effekte von Stadt und Wald unterscheiden.“

Neben den objektiven Messergebnissen wird durch Fragebögen auch das subjektive Empfinden der Probandinnen und Probanden untersucht.

Wald ist nicht gleich Wald?


Was die Arbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erschwert: Auch unerwartete Einflüsse können sich auf die Messwerte auswirken. So erhöht möglicherweise ein frei umherlaufender Hund das Stresslevel, während beim Stadtbummel der Kontakt zu sympathischen Menschen zur Entspannung beiträgt.

Neben dem Kontrast zwischen Stadt und Wald will das Forschungsteam auch untersuchen, ob verschiedene Waldstrukturen sich unterschiedlich auf das Empfinden der Besucherinnen und Besucher auswirken. „Durch den Klimawandel wissen wir nicht, wie der Wald der Zukunft aussehen wird“, erklärt Rathmann. „Welche Waldstrukturen sind überhaupt überlebensfähig? Wirken Misch-, Laub- oder Nadelwälder unterschiedlich? Das sind Fragen, denen wir nachgehen möchten.“ Ob dabei allgemeine Abweichungen auftreten oder ob auch persönliche Vorlieben die individuellen Ergebnisse beeinflussen, gelte es zu beobachten.