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Schwarzwald ist ab heute ein Biosphärenreservat

Allgemein, Umwelt

Der Schwarzwald im Südwesten der Republik darf sich „Biosphärenreservat“ nennen. Das beschloss der Internationale Rat des UNESCO-Programms „Der Mensch und die Biosphäre“. Das neue Schutzgebiet erstreckt sich über 28 Gemeinden im Südschwarzwald auf einer Fläche von etwa 630 Quadratkilometern. Als Biosphärenservate zeichnet die UNESCO Natur- und Kulturlandschaften aus, die sich aufgrund ihrer kulturellen Vielfalt und ihres großen Artenreichtums als Modellregionen für nachhaltige Entwicklung eignen.

Der Schwarzwald ist das 16. Gebiet in Deutschland, dem die UNESCO diesen Titel verleiht.
Zuletzt waren 2009 der Bliesgau und die Schwäbische Alb als Biosphärenreservate anerkannt worden.

Die Auszeichnung großer Teile des Schwarzwaldes geht auch auf die besondere Initiative der Gemeinden vor Ort zurück, die vom Land und dem Regierungspräsidium Freiburg unterstützt wurden. Der neue Titel ist nicht nur eine Auszeichnung, sondern auch eine Verpflichtung: Umweltschutz und Nachhaltigkeit müssen im Schwarzwald auf Dauer groß geschrieben werden.

Gemeinschaftlich genutzte Bergweiden bis in die höchsten Lagen, die „Allmendweiden“, zeichnen das neue UNESCO-Biosphärenreservat Schwarzwald besonders aus. Auf diese Hochweiden trieben die Bauern ihre großen Herden mit traditionellen Rinderrassen noch bis in die jüngere Vergangenheit. Die daraus entstandene einzigartige Landschaft umfasst zum Beispiel von Verbiss geprägte „Weidbuchen“. Allmendweiden sind wegen ihres großen Artenreichtums besonders schützenswert, heute jedoch nur noch vereinzelt in Deutschland vorhanden. Das frisch gekürte UNESCO-Biosphärenreservat will unter anderem zum Erhalt von gefährdeten Rinderrassen beitragen, beispielsweise durch Vermarktung von Milch, Käse und Fleisch. Charakteristisch für den südlichen Schwarzwald sind außerdem der Wechsel von Wald- und Offenlandschaften und der Weitblick von den hohen Gipfeln. Keine andere deutsche Mittelgebirgslandschaft weist größere Höhenunterschiede auf kleinstem Raum auf.

Nahezu jedes Dorf hat seine eigene Tracht, die alemannische Sprache und Fastnacht sind Beispiele des Immateriellen Kulturerbes ebenso wie die Holzschnitzkunst. Bergbaugeschichte lässt sich hier erleben.
Mühlen, Museen, moderne Baukultur und traditionelle Schwarzwaldhäuser laden ein, die Vielfalt der Region kennenzulernen. Lang etabliert ist auch die Nutzung von durch Wasserkraft und Holz gewonnenen erneuerbaren Energien.

Hintergrund
UNESCO-Biosphärenreservate zeigen, wie der Reichtum der Natur- und Kulturlandschaft durch eine nachhaltige wirtschaftliche Nutzung erhalten werden kann. Nunmehr 16 UNESCO-Biosphärenreservate in Deutschland arbeiten als Modellregionen für nachhaltige Entwicklung mit über 600 Biosphärenreservaten weltweit zusammen. Strenger Naturschutz in Kernzonen geht einher mit der Entwicklung und Förderung nachhaltiger Wirtschaftsweisen auf dem Großteil der Fläche. Deutschlandweit verzeichnen die Biosphärenreservate jährlich insgesamt rund 65 Millionen Besucher, die einen Bruttoumsatz von knapp drei Milliarden Euro bewirken. Der Internationale MAB-Koordinationsrat entscheidet jährlich über die Anerkennung von Biosphärenreservaten und überprüft alle zehn Jahre die Qualität der bereits bestehenden Gebiete.